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Bild © Odlo

3-LAGEN-SYSTEM

Von den Vorteilen der Zwiebel

Wenn wir unterwegs sind, bekleiden wir uns am besten nach dem 3-Lagen-Bekleidungssystem. Das ist das Mantra des Outdoorhandels. Aber wir haben doch auch sonst immer Wäsche, ein Sweatshirt und ’ne Jacke an. Was steckt also hinter dem funktionellen Bekleidungssystem?

von Ralf Stefan Beppler
Fachjournalist (u. a. Wandermagazin)

DAS 3-LAGEN-SYSTEM

Das 3-Lagen-System ist ein Schlechtwettersystem und besteht aus verschiedenen Lagen, von denen jede eine spezielle Aufgabe hat. Es soll den Körper trocken und warm halten. Bei hoher sportlicher Betätigung aber kommt der Sportwäsche eine andere Funktion zu. Statt den Schweiß wegzuleiten und zu wärmen, muss sie den Schweiß nutzen, um zu kühlen. Auch bei Fernreisen in heißen, humiden Gegenden passt das klassische 3-Lagen-System nicht richtig. Dafür gibt es die Travelwear.

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Bild © Falke

DIE ERSTE LAGE

Dicht am Körper: die Funktionswäsche
Wusstest du, dass der Wärmeentzug pro Liter verdunsteter Flüssigkeit 580 kcal beträgt? Funktionsunterwäsche aus Synthetik oder Merinowolle soll das verhindern. Unterwäsche aus Baumwolle nimmt die Feuchtigkeit zwar auf (bis zu 65 % des Eigengewichts), gibt sie aber nicht nach außen weiter. Die Wäsche hängt nass am Körper und entzieht ihm durch Verdunstungskälte Wärme. Um neue Wärme zu erzeugen, verbraucht der Körper Energie und die Leistung sinkt. Hinzu kommt die Gefahr einer Erkältung.

Funktionsunterwäsche besteht aus Fasern, die selbst verschwindend wenig Feuchtigkeit aufnehmen und diese nach außen weiterleiten.
Das nennt man „Wicking“. Die Restfeuchtigkeit trocknet durch die Körperwärme problemlos ab. Was hier passiert, wird deshalb auch als Feuchtigkeitsmanagement bezeichnet. Wichtig dabei:
Die Funktionsunterwäsche liegt am Körper eng an. Als Materialien kommen Fasern wie Polypropylen (0 % Feuchtigkeitsaufnahme), Polyester (etwa 2–4 % Feuchtigkeitsaufnahme) oder Polyamid (6–10 % Feuchtigkeitsaufnahme) oder Mischungen davon in Frage. Die Ausnahme ist Merinowolle. Wolle kann viel Feuchtigkeit aufnehmen (bis 33 %), hat aber den Vorteil, dass sie sich nicht nass anfühlt und den Körper auch im nassen Zustand wärmt. Der große Vorteil von Merino: Die Struktur der Wollfaser hat eine selbstreinigende Wirkung und reduziert unangenehmen Schweißgeruch. Während man Wollwäsche eine ganze Woche tragen kann, gilt für Synthetik: „Polyester macht einsam.“

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Bild © Artilect

DIE ZWEITE LAGE

Viele Möglichkeiten: die Isolierschicht´
Die Aufgabe der 2. Lage ist die Isolation, also den Erhalt der Körperwärme. Isolation erreicht man über den Einschluss stehender Luft. Je feiner das Material verästelt ist, desto mehr Luft schließt es ein, desto besser die Isolation. Je tiefer das Quecksilber fällt, desto mehr Isolation wird benötigt. Je anstrengender die Aktivität, desto weniger Wärme braucht man. Das kann sich aber schnell ändern. Während man beim Aufstieg ohne Isolation auskommt, muss die Lage auf dem Gipfel schnell her.

Bei der 2. Lage ist gut, schnell reagieren zu können. Deshalb sind unterschiedliche und dünnere Lagen sinnvoll, die du bei starker Kälte miteinander kombinieren kannst. Das Problem dabei: Verschiedene Lagen sperren die Beweglichkeit. Entweder kombiniert man eine Lage Stretchfleece mit einer glatten, rutschigen Oberfläche mit einem Fleece oder man greift zur Kombination von dünnem Fleece und einer Bauschfaserjacke mit glattem Oberstoff.

Das klassische Material der 2. Lage ist Fleece aus Polyester. Die Dicken werden in Grammgewichtsklassen (Gramm/m2 ) bezeichnet. Sie gibt es als Mikrofleece (100er-Fleece), Standardfleece (200er), dickes Fleece (300er) oder in ganz unterschiedlichen Oberflächen von Stretchfleece (hoher Elasthananteil für starke Dehnbarkeit und glatte Oberfläche), Highloft-Fleece (ein sehr haariges Teddymaterial), Gridfleece (Karostruktur für kleineres Packmaß) bis Strickfleece (eher im urbanen Bereich zuhause). Fleece ist immer stark luftdurchlässig. Deshalb gibt es auch winddichtes „Sandwich“-Fleece mit Zwischenlage. In die zweite Lage gehören auch dünne Isolationsjacken mit einer Füllung aus Kunstfaser, Wolle oder Daunen. Sie sind meist etwas wärmer als Fleece, häufig kleiner im Packmaß und durch den Oberstoff winddicht, so dass man sie bei trockener Kühle/Kälte auch solo tragen kann.

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Bild © Devold

DIE DRITTE LAGE

Wind und Wetterschutz
Die äußere Lage wird häufig auf Schutz vor Nässe reduziert. Natürlich ist es wichtig, auf einer Tour eine wasserdichte Jacke im Gepäck zu haben. Schutz vor den Elementen heißt auch Schutz bei extremer Kälte oder Windschutz. Wind wird häufig unterschätzt, potenziert aber die gefühlte Kälte. Dann spricht man von „Windchill“. Windchill kann auch bei normalen Temperaturen zu einem Problem werden. Mit etwas Feuchtigkeit (z. B. Schweiß oder Kondensnässe in der Jacke) ist es mehr als ungemütlich. Und natürlich: Je höher der Luftstrom, desto mehr Wärme kann dem Körper entzogen werden. Die Gefahr der Hypothermie, also Unterkühlung, ist unterwegs gefährlicher als die Gefahr des Erfrierens und wird durch Überforderung und Erschöpfung, Durst und zu wenig Essen verstärkt. Häufig bekommt man Hypothermie nicht mit, weil sie mit Bewusstseinsstörungen einhergeht.

Zur 3. Lage gehören auch Beweglichkeit und Klimakomfort. Beides waren wichtige Argumente bei der „Erfindung“ der Softshells. Regenjacken sind zwar im Labor atmungsaktiv, aber unterwegs spürt man davon wenig, weil die Membran eine zu starke Barriere ist. Gute Softshells kommend deshalb ohne Membran aus. Sie sind von der Webstruktur fast winddicht und lassen eine dosierte Ventilation zu, ohne auszukühlen. Softshells ohne Membran lassen sich als 2. Lage im Lagensystem integrieren.

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Bild © Columbia

TIPPS

  • Regenjacken: Bei Regenjacken gibt es unterschiedliche Verarbeitungen. 2,5-Lagen-Jacken haben eine zusätzliche Schicht zum Schutz der Membran, sind sehr leicht und als „Notjacke“ einfach mitzunehmen (man holt sie nur im Bedarfsfall aus dem Rucksack). 2-Lagen-Jacken sind Allrounder und auch im Alltag beliebt. Für Rucksacktouren greift man besser zur 3-Lagen-Verarbeitung. Die ist zwar etwas steifer und fester, aber viel langlebiger. Der DIN-Wert für Wasserdichte liegt bei knapp 1.400mm Wassersäule. Der Druck von Rucksackträgern, Knien auf dem Zeltboden, Sitzen beim Liften oder die Veränderungen des Materials durch UV lassen diesen Wert schnell alt aussehen. Werte um die 10.000 bis 20.000mm sind deshalb nicht selten und unter 5.000mm Wassersäule sollte keine Funktionsjacke liegen.

  • Dünne und superleichte Windjacken aus leichtem Stoff fallen nicht ins Gewicht, passen in die Hosentasche und bieten Windschutz in allen Situationen.

  • Softshelljacken haben eine robuste, nässeabweisende Außenseite. Sie bieten in gut 80 % der Aktivitäts- und Wettersituationen unterwegs verlässlichen Schutz und deutlich mehr Klimakomfort als jede „atmungsaktive“ Regenjacke.

  • Gewachste Baumwollmischgewebe-Jacken bieten auch ausreichend Windschutz und atmen besser. Sie sind enorm robust, einfach reparierbar und bieten viel Klimakomfort. Vorteilhaft: die Unempfindlichkeit gegen Funkenflug beim Lagerfeuer.

  • Woll- und Lodenjacken eignen sich für Tagesaktivitäten bei trockener, gemäßigter Kälte. Sie bieten lange Nässeschutz, zusätzliche Wärme und viel Komfort. Weiterer Pluspunkt: Sie sind leise.

  • Fette Daunen- oder Bauschfaserjacken kommen zum Einsatz, wenn es richtig eisig wird oder man lange an einem Ort steht und wartet, etwa beim Sichern, Eisfischen oder auf Wintertour im Lager.

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Bild © Leki/Claudia Ziegler

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