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Wintersport

Die Natur als neues Fitness-Studio: Skitour statt Spinning 

13.1.2022
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Mit der richtigen Ausrüstung und der entsprechenden Vorbereitung sind Skitouren etwas für Jedermann. Und im Corona-Winter 2020/21 kam das Skitour-Gehen endgültig im Mainstream an: Viele Pistenfahrer entdeckten erstmals das freie Gelände für sich. Damit der Umstieg vom Alpinskifahren auf das Tourengehen reibungslos klappt sind einige Punkte zu beachten. 

Ein ganz "normaler" Samstagmorgen in den Ammergauer Alpen im Corona-Winter 2020/21: An der Straße zwischen Schloss Linderhof und dem Plansee, am Ausgangspunkt zur Tour auf die Scheinbergspitze, drängen sich mehr als hundert Autos. Der kleine Parkplatz ist längst überfüllt. Wintersport-Freunde graben mit ihren Lawinenschaufeln zusätzliche Buchten frei und ziehen Felle auf ihre Skier auf. So und ähnlich sah es in diesem Winter an vielen Parkplätzen in den Alpen aus. Geschlossene Skigebiete und Reisebeschränkungen führten dazu, dass immer mehr Menschen vom Pistenfahren auf das Skitour-Gehen umgestiegen sind. 


Wie alles begann
 

Was moderne Tourengeher vermutlich nicht wissen: Das Aufsteigen mit Muskelkraft hat nicht nur in Skandinavien, wo das Skifahren erfunden wurde, eine sehr lange Tradition, sondern auch in den Alpen. Am 23. März 1894, also vor 125 Jahren, zieht ein gewisser Arthur Conan Doyle in Davos-Frauenkirch im Schweizer Kanton Graubünden Steigfelle aus Seehund-Haut auf die 2,40 Meter langen und nur zehn Zentimeter breiten Holzskier. 

Das Ziel des Briten, schon zu Lebzeiten berühmt für seine Sherlock-Holmes-Krimis: die 2.436 Meter hohe Maienfelder Furgga. Von dort will er mit zwei einheimischen Skipionieren, den Brüdern Tobias und Johann Branger, bis nach Arosa abfahren. Leider verlief die Abfahrt damals nicht ganz unfallfrei: Einer der Führer verstauchte sich den Knöchel, und auch die Hose des Autors überstand die kleine Expedition nicht ohne Risse. Dennoch fiel das Fazit Doyles positiv aus: „Tatsächlich ist es im Winter einfacher als im Sommer, eine Reise über höhere Pässe zu machen. Auf Schnee ist die Mühe nur halb so groß, weil die Abfahrt hauptsächlich ein bloßes Gleiten ist.“ 


Skitour boomt - auch ohne Corona
 

In einem normalen Winter sind es Schnee und Kälte, die die Alpen fest im Griff haben. In der vergangenen Saison übernahm im Gegensatz dazu das Virus die Regeln. Und diese Regeln waren streng.  Lifte liefen in Bayern gar nicht, in Österreich nur für Einheimische. Nur die Schweiz sperrte Hotels und Skigebiete auch für ausländische Gäste auf. Weil aber viele Deutsche keine Lust auf Quarantäne hatten und deshalb zuhause blieben, entdeckten sie erstmals das Skitourengehen für sich. Sie träumten von Abfahrten im jungfräulichen Pulverschnee, weit weg von den Massen und dem Trubel auf den Pisten.  Auf Nachtskitouren am Pistenrand würden sie Herz und Muskeln stählen. Und das Beste dabei: Man spart sich nicht nur die Kosten für den Skipass, sondern ist auch noch nachhaltig und deshalb mit gutem Gewissen unterwegs. 

Soweit die Theorie. In der Praxis sah das schon lange vor Corona anders aus. Entlang des Alpenrandes und vor allem auf den Münchner Hausbergen drängten sich an Wochenenden dreistellige Zahlen von Tourengehern am Gipfel. Insofern waren Modetouren hoffnungslos überlaufen. Und statt stiebendem Pulverschnee gab es eine von vielen Brettern durchpflügte Abfahrts-Trasse. Oft konnte man diese kaum noch von einer normalen Piste unterscheiden. Besser gesagt: Die Zeiten, als das Aufsteigen mit Fellen unter den Latten ein etwas schräges Hobby für Senioren und pfennigfuchsende Liftpass-Verweigerer war, sind lange vorbei. 

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Gegenseitiger Respekt ist wichtig
 

Skitouren sind zum Trendsport avanciert. Nicht wenige Sportfachhändler machen mit dieser Spezial-Ausrüstung inzwischen mehr Umsatz als mit Alpin-Equipment. „Skitouren lagen in der Saison 2020/21 voll im Trend, die Kapazitäten am Berg bleiben aber begrenzt“, sagt Martin Fiala, Chefredakteur vom Backline Magazin. „Das verursacht massive Probleme. Bei der Infrastruktur, auf den Hütten, auf Touren und im Tal und beim Thema Sicherheit.“ 


Skitour-Planung ist das A und O
 

Tourismusmanager suchen deshalb nach intelligenten Lenkungskonzepten. Und auch der Deutsche Alpenverein (DAV) begegnet dem Ansturm auf die oberbayerischen Berge mit vielen Tipps. 

In den Alpen lauert der „weiße Tod“ dagegen auch auf Touren, die gemeinhin als sicher gelten. An der Scheinbergspitze wurde eine Tourengeherin im April 2015 von einem Schneebrett erfasst und schwer verletzt. Bevor du dich auf den Weg zu deiner Skitour machst, solltest du den Lawinenlagebericht eingehende studieren. Du solltest dich vorab mit der Entstehung und auch den unterschiedlichen Arten einer Lawine befassen. Erst wenn du dich hier gut informiert bist, solltest du eine Skitour im freien Gelände angehen. 

Um ganz sicher zu sein, solltest du auch die Wetterbedingungen der vorangegangenen Tage mitberücksichtigen. Diese sind ausschlaggebend dafür, ob sich der Schnee gesetzt hat, locker aufliegt oder gar solche Schneemassen gekommen sind, dass eine sichere Abfahrt unmöglich ist. 


Sicherheitsequipment: Das brauchst du für deine Skitour
 

Bei deinen Planungen ist es auch wichtig, dein Equipment sorgfältig vorzubereiten. Komfortable und leichte Hightech-Materialen müssen zwar anfangs erstmal gekauft werden, bringen dir aber mehr Spaß am Berg! Es ist auch angenehmer, mit leichten Skiern bergauf zu gehen, als mit schweren und dicken Blasen an den Füßen. 


Das LVS-Gerät
 

Für eine Skitour abseits der präparierten Pisten solltest du dir Schaufel, Sonde und auch ein LVS-Gerät (LawinenVerschüttetenSuchgerät) zulegen. Mithilfe dieses kleinen Gerätes kannst du im Fall der Fälle Verschüttete Personen orten oder im Umkehrschluss kannst natürlich auch du gefunden werden.  

Jedes Suchgerät hat zwei Betriebsarten: Sende- oder Suchbetrieb. Beim Bergaufgehen trägst du das Gerät eng am Körper und hast den Sendebetrieb eingeschalten. Sollte tatsächlich eine Lawine abgehen, kannst du dein Gerät in den Suchmodus umstellen. Es werden Funksignale ausgesendet, die dir mit Hilfe von Pfeilen die Verschüttete Person anzeigen. Hier gibt es unterschiedliche Arten, wie du das Suchgebiet eingrenzen kannst.  

Du startest mit der Grobsuche. Das ist die Suche vom Erstsignal bis in den Nahbereich von ca. 3 m. Zu Beginn kannst du dich sehr schnell bewegen, doch je näher du dem Ziel kommst, desto langsamer und genauer muss dein Gang werden. Ab hier bist du dann bei der Feinsuche angekommen. Hier solltest du sehr behutsam vorgehen, da du dich direkt über dem Verschütteten stehst. Mögliche Atemhöhlen solltest du dabei nicht zerstören. Markiere mit deiner Schaufel dann den Punkt, an dem die Signalstärke am höchsten ist bzw. die geringste Entfernung angezeigt wird. 

Sollten mehrere Personen verschüttet sein, vergiss nicht, dein LVS-Gerät auszuschalten oder den Rescue-Modus zu aktivieren (ist hier von Gerät zu Gerät unterschiedlich), um mit deinem Signal die weitere Suche nicht zu behindern. 

Bitte mache hier vorab eine Test-Suche, damit du dein Gerät gut im Griff hast. Bei Lawinenabgängen zählt jede Sekunde. 


Die Sonde
 

Sobald du den Punkt mit der geringsten Entfernung markiert hast geht es ans Sondieren. Mit deiner Sonde stichst du durch die dicke Schneeschicht, bis du einen Widerstand merkst. Durch systematisches Sondieren kannst du ziemlich schnell auch große Bereiche absuchen. Ausgehend von deiner Schaufel bewegst du dich mit deiner Sonde spiralförmig im Abstand von ca. 25 cm um die Schaufel. Sobald du einen Sondentreffer hast, gibst du lautstark den anderen Suchenden Bescheid. So bekommt ihr nochmal einen Motivationsschub und könnt euch an den letzten Teil der Bergung machen: Das Schaufeln. 


Die Schaufel
 

Die Schaufel befindet sich während deiner Skitour am Rucksack und besteht meist aus zwei Teilen. Übe bitte vor deiner Tour, wie du die Schaufel zusammenbauen kannst. Hier gibt es unterschiedliche Griffe und auch Schaufelblatt-Größen. Probiere am besten bei einem Fachhändler aus, welche Schaufel gut in der Hand liegt. Bedenke dabei, dass das Ausschaufeln von Verschütteten einige Zeit in Anspruch nehmen kann.  

Jeder, der auf Skitour oder auch beim Freeriden abseits der Piste ist, sollte dieses Equipment mit sich tragen. Das dient nicht nur der eigenen Sicherheit, weil du schnell gefunden werden kannst, sondern auch der ersten Hilfe, die du im Notfall leisten kannst. 


Skitour-Technik: In 6 Schritten zur perfekten Spitzkehre
 

An der Scheinbergspitze sollte man für die steileren Passagen wissen, wie Spitzkehren funktionieren, um – im Wortsinn – die Kurve zu kriegen und die Gehrichtung ändern zu können. In der Theorie klingt das alles logisch: 

  1. Sicherer Stand 
  2. Gewicht auf den Talski verlagern 
  3. Bergski umstellen 
  4. Stock umstellen 
  5. Gewicht auf den künftigen Talski verlagern 
  6. Den zweiten Ski nachholen. 

Et voilà! In der Praxis klappt das an einem Steilhang, dessen Aufstiegsspur womöglich noch eisig ist, natürlich nicht so gut, wenn man es zuvor nie geübt hat. Und es funktioniert noch weniger, wenn man konditionell überfordert ist. 


Super gesunder Outdoor-Sport
 

Eine Skitour ist eine ganz andere Nummer als Abfahrten auf präparierten Pisten. Die körperliche Fitness ist ungemein wichtig. Auf Skitour sind alle Extremitäten gefordert. Du solltest diese Disziplin allerdings von der Pike auf lernen: am besten in einem Anfängerkurs. Ein solcher vermittelt nicht nur die Aufstiegs- und Abfahrtstechnik, sondern klärt auch über alpine Gefahren auf. Geübt wird ferner der Umgang mit der Notfall-Ausrüstung. Und es stehen Themen wie Tourenplanung und das richtige Interpretieren des Lawinenlageberichts auf dem Lehrplan. 

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Wo kann man Skitourgehen üben?
 

Ein Kurs ist dir zu viel Aufwand? Du möchtest erstmal reinschnuppern, ob dir das Skitourengehen überhaupt gefällt? Work-out im Schnee ja, aber nicht gleich im freien Gelände? In Skitouren-Parks und auf Skitouren-Lehrpfaden, die sich oft in Pistennähe befinden, kannst du die Technik und den richtigen Umgang mit der Ausrüstung lernen. Einer der ersten Parks entstand 2012 an der Eckbauerbahn beim Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Über 500 Höhenmeter geht es rauf zum Berggasthof "Eckbauer". Hier wartet ein Test-Zentrum mit Verschütteten-Suchgeräten, ein Lawinensuchfeld zum Üben sowie ein Lern-Video auf dich. Während der Tour kommst du an acht Infotafeln vorbei, die auf eine witzige Art in die Materie einführen. Wie legt man eine ökonomisch zu gehende Aufstiegsspur an? Wie misst man die Hangneigung und zieht daraus die richtigen Schlüsse? Was müssen Tourengeher in Pistengebieten beachten? 

Inzwischen gibt es unzählige solcher Angebote. Allein im vergangenen Corona-Winter eröffnete Ausrüstungs-Spezialist Dynafit in Deutschland und Österreich sechs neue Skitourenparks und mehr als 20 Testcenter in Skigebieten. So wird dir der Einstieg ins Tourengehen mit Leihmaterial erleichtert.  

Hier findest du die neuen Parks, die im vergangenen Winter an den Start gingen: 

  • St. Johann (Tirol) 
  • Saalfelden (Salzburg) 
  • Pitztaler Gletscher (Tirol) 
  • Puchberg am Schneeberg (Niederösterreich) 
  • Zahmer Kaiser (Tirol) 
  • Jenner (Bayern, Berchtesgadener Land) 

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Packliste für deine nächste Skitour
 

Dass du auch nichts vergisst, wenn du dich auf dein nächstes Skitour-Abenteuer begibst, habe ich für dich eine Packliste zusammengestellt.

Bekleidung

  • Hardshelljacke
  • Tourenhose
  • Isolationsjacke
  • Handschuhe
  • Fleecejacke/Weste
  • Funktionsunterwäsche
  • Socken
  • Mütze
  • Halstuch/Schal


Ausrüstung

  • Tourenski
  • Toruenskistiefel
  • Tourenstöcke
  • Tourenrucksack/Lawinenrucksack
  • Felle (inkl. Fellspray)
  • Harscheisen
  • Stirnlampe
  • Skihelm


Lawinenausrüstung

  • Schaufel
  • Sonde
  • LVS (LawinenVerschüttetenSuchgerät)
  • Biwacksack


Außerdem ratsam

  • Karte und Kompass
  • Mobiltelefon
  • Erste-Hilfe-Set
  • Sonnenschutz
  • Bargeld, Personalausweis
  • Taschenmesser
  • Proviant
  • Kleiner Müllbeutel
  • Trinkflasche
  • Taschentücher
  • Sitzunterlage

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