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Wintersport

Passt nicht, gibt's nicht! So findest du den perfekten Skischuh

13.1.2022
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Wer kennt es nicht? Eingeschlafene, kribbelnde oder kalte Füße im Skischuh. Bestimmt hast auch du schon einmal die Bekanntschaft damit gemacht - doch das muss nicht sein. Ich nehme dich heute mal mit auf die Reise zum passenden Skischuh. 

Skischuhe sind das Bindeglied zwischen Mensch und Ski. Was der Skifahrer will, soll der Skischuh auf die Bindung und schließlich auf den Ski übertragen. Derzeit arbeiten die Entwickler an einem Skistiefel, der komfortabel ist und zeitgleich eine hohe Fahrperformance hat. Das „Silicon Valley“ der weltweiten Skischuhproduktion liegt in Italien. Rund 70 Kilometer nördlich von Venedig, in der kleinen Stadt Montebelluna, befindet sich das Skistiefel-Mekka. Hier stellen unter anderem DalbelloFischerLangeRossignolScott und auch die Tecnica-Gruppe ihre Skischuhe her. Aber warum gerade hier, in einer Region, die deutlich näher am Meer als an den Gipfeln der Dolomiten oder Alpen liegt? 


Die Vorreiter der italienischen Skischuh-Produktion
 

Schon vor dem ersten Weltkrieg war Montebelluna für seine Schuster und die von ihnen hergestellten Straßenschuhe bekannt. Während des Krieges brauchten die Soldaten festes Schuhwerk. Da lag es auf der Hand, dass die Schuster die Soldaten mit Stiefeln versorgten. Sie verfügten über die Expertise und waren geografisch gesehen nah am Geschehen. Somit konnten die Transportwege an die Front kurzgehalten werden. Aus diesen Stiefeln haben sich dann die ersten Leder-Skistiefel entwickelt. In den 1960er-Jahren wurden die ersten Kunststoff-Skischuhe eingeführt, die das Ende der Ära der Lederschuhe einläuteten. 

Trotz dieses einschneidenden Wandels ist Montebelluna bis heute Ideenschmiede und Produktionsstätte für die Skischuh-Industrie. Die Schuster geben ihre Erfahrungen und ihr Wissen zum Skischuh-Bau über Generationen hinweg weiter. Die Fertigung ist trotz Industrialisierung und Digitalisierung auch heutzutage noch zu einem sehr hohen Prozentsatz Handarbeit. 

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Hand- und Detailarbeit am Skischuh
 

Skistiefel bestehen aus bis zu 320 Einzelteilen! Von der kleinen Schraube bis zum Strap am Schaftabschluss werden die Teile in mühevoller Kleinstarbeit von den Facharbeitern zusammengefügt. Für einen hochwertigen Innenschuh werden, je nach Modell, vier bis 12 Arbeitsschritte benötigt. Knapp 140 Einzelteile werden hierzu in ca. 25 Minuten zusammengenäht. Die Schalen eines Skischuh-Paares bestehen auch ca. 180 Einzelteilen. Nach einer guten Stunde ist ein Skischuh-Paar fertig. Bis die Schuhe in Plastikfolie und in einem Karton verpackt in Richtung Lager gehen, haben ungefähr 100 Personen Hand angelegt. 


Für jeden Fuß gibt es den perfekten Schuh
 

Aber warum ist der Skischuh beim Skifahren ein so wichtig und warum wollen wir uns alle nur ungern von einem passenden Skischuh trennen? Der menschliche Fuß besteht aus 26 Knochen, 37 Gelenken und 107 Bändern. Im Fuß arbeiten 32 Muskeln mit ihren jeweiligen Sehnen zusammen. Und gleichzeitig übernehmen eine Vielzahl von Blutgefäßen und Nerven die Versorgung, um die komplexen Bewegungsabläufe beim Gehen, Springen oder Skifahren umzusetzen. 

Bei den Top-Athleten ist die individuelle Skischuh-Anpassung gang und gäbe. Doch nun zieht auch der Sportfachhandel nach. Die Skischuhe werden auf die individuelle Fußform und die Bedürfnisse des Fahrers angepasst. Neuartige Prozesse und Materialien ermöglichen zahlreiche Individualisierungen. Und das in kürzester Zeit. Hierbei hat man immer das Ziel vor Augen, den Skischuh so komfortabel wie möglich zu machen, ohne dabei an Fahrperformance einzubüßen. 

Einen entscheidenden Beitrag zur Passform- und Komfortverbesserung bringen die modernen Fertigungsverfahren im Schalenbau mit sich. Die Entwicklung einer neuen Skischuhlinie kostet ungefähr 1 Million Euro.  Hierbei sind detaillierte Forschung und Entwicklung notwendig, um auf alle Wünsche und Bedürfnisse der Skifahrer einzugehen. 

Innovative Verfahren eröffnen den Produktionsfirmen neue Tore. Hierzu zählt unter anderem das Spritzverfahren in 3D-Technologie. Heutzutage ist es möglich, Kunststoffe mit unterschiedlichen Härten in einem Produkt zu vereinen. Die Stellen, die Stabilität und direkte Kraftübertragung fordern, werden aus härteren Kunststoffen gefertigt. Im Gegensatz dazu werden Stellen, die mehr Flexibilität verlangen, mit weicherem, elastischerem Material versehen. 

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Welches Material kommt im Skischuh zum Einsatz?
 

Die Schale besteht mittlerweile aus drei unterschiedlichen Materialien. Die Schale, die den Fuß umgibt, muss stabil sein. Weiches, biegsames Material hingegen bildet den Rist des Schuhs. Die Sohle muss wiederum möglichst abriebfest und haltbar sein. Ebenso kommen moderne, extrem fein justierbare Schnallen hinzu. Sie ermöglichen eine sehr individuelle Anpassung. In den vergangenen Jahren wurden verschiedenste Technologien entwickelt, die die Anpassung des Innenschuhs ermöglichen. 

Eine Möglichkeit der Anpassung ist die Erhitzung des Innenschuhs. Beim Abkühlen legt sich das Material passgenau um den Fuß und den Unterschenkel. Ebenso können Kunststofftaschen in den Schuh eingebaut werden. Diese werden mit einem zähflüssigen Material auf Paraffinbasis gefüllt. 


Skischuh-Anpassung: Lohnt sich der Preis?
 

Der Schuh "von der Stange" passt leider nicht auf jeden Fuß. Doch auch dafür gibt es eine Lösung. Entweder folgt hier der Weg zum Skischuhexperten/Bootfitter im Sportfachhandel oder zum Orthopädie-Schuhmacher. Hier können noch individuellere Anpassungen durchgeführt werden. Diese können an der Schale oder mittels eines geschäumten Innenschuhs stattfinden und erhöhen den Komfort. Mit anderen Worten: Leistung und Kraftübertragung können nochmals gesteigert werden. 

Klar hat das alles seinen Preis. Jedoch sind die Vielzahl an Arbeitsschritten, die Investitionen der Hersteller und die Anzahl der Einzelteile nicht zu vergessen. Wenn man die normale Halbwertzeit eines Skischuhs von zehn Jahren bei 10-14 Skitagen pro Saison im Schnitt dagegenhält, lohnt sich die Investition in einen passenden Skischuh auf jeden Fall. 


Bootfitting: Schritt für Schritt zum passenden Skischuh
 

Moderne Skiboots besitzen ergonomische Konstruktionen, die eine gute Grundpassform bieten. Bootfitting verbessert nochmals den Sitz des Fußes im Skischuh. Das heißt, der Tragekomfort wird gesteigert und die Skikontrolle spürbar. 

Folgende Schritte bringen dich gemeinsam mit einem Profi zum richtigen Skischuh: 

  1. Analyse
    Zuerst begutachtet der Experte deine Füße und zeigt auf, wo spezifische Problempunkte wie Fußstellung oder Überbeine liegen. Fußlänge und -breite werden vermessen. Entsprechend werden Größen und Leistenbreite des Skischuhs zur Anprobe ausgewählt. Auch digitale Messmethoden werden eingesetzt. Hierbei werden die Füße gescannt und entsprechende Schuhmodelle selektiert. 
  2. Innensohle Anpassen
    Der Bootfitting-Experte formt die eingangs flachen Sohlen vor und erhitzt sie dann. Die erwärmten Sohlen werden anschließend in den Fußabdruck eingelegt und du stellst dich darauf. Die Sohlen nehmen die Konturen deines Fußes an und sorgen so für maximalen Komfort. Sind die Sohlen ausgekühlt werden sie zugeschnitten und exakt in den Skischuh eingepasst. Je nach Sohlentyp wird zudem ein dämpfender Fersenkeil unterlegt, der für eine optimierter Position im Skischuh und noch mehr Komfort sorgt. Schon bei der ersten Anprobe wirst du einen Unterschied spüren. 
  3. Innenschuh-Tuning
    Bevor es an die Anpassung geht, polstert der Experte kritische Stellen an deinem Fuß, wie zum Beispiel Überbeine, mit Schaumstoff-Stickern auf. Das nimmt später im Skischuh den Druck von solchen potenziellen Schmerzstellen, ohne das Passformgefühl zu beeinträchtigen. Der Innenschuh wird in einem Schuhofen aufgewärmt und in die Skischuh-Schale eingesetzt. Dann steigst du in den noch warmen Schuh ein und schließt die Schnallen. Innerhalb kürzester Zeit passt sich der Innenschuh der Fußform an. Das sogenannte Thermofitting kann meist mehrmals wiederholt werden. 
  4. Außenschalen-Tuning 
    Im Skischuh-Ofen wird die Außenschale erwärmt, bevor die Anpassung ähnlich dem Innenschuh erfolgt. Das Resultat ist eine Top-Passform. Kleinere Stellen passt der Experte durch lokales Erwärmen und Bearbeiten individuell an. Moderne Skischuhe lassen sich von erfahrenen Profis sehr umfangreich be- und umarbeiten, unter anderem auch beim Fersensitz. 

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Wie pflege ich meinen Skischuh richtig?
 

Auch wenn der Skischuh kein typischer Schuh ist, bedarf es einiger Pflege. Mit diesen einfachen Tipps hast du mehrere Jahre Spaß mit deinem perfekten Skischuh. 

  1. Reinige das Skischuhprofil regelmäßig von Schmutz und Steinchen
  2. Skischuhe über Nacht immer aus dem Auto nehmen 
  3. Skischuhe von außen abtrocknen und Schale, Innenschuh und Einlegesohle am besten separat trocknen 
  4. Zum leichteren Ein- und Ausbauen des Innenschuhs die Schalen-Innenseite mit Silikon- oder Cockpit-Spray einsprühen 
  5. Bei Skischuhtrocknern im Hotel die Schuhe immer mit den Zehen nach oben auf den Trockner stecken 
  6. Beim längeren Lagern der Schuhe die Schnallen und Straps nur leicht schließen 

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Wann brauche ich neue Skischuhe?
 

Gehen die noch ein Jahr oder brauch ich doch schon neue Schuhe? Irgendwann ist die Zeit gekommen, da musst du deinem Skischuh lebe wohl sagen. Hier habe ich noch ein paar Punkte, die dir bei der Entscheidung „die müssen weg“ oder „sie dürfen nochmal bleiben“ helfen können. 

  1. Abgenutzte und abgelaufene Laufsohlen? Fast alle Hersteller bieten mittlerweile erneuerbare Sohlen an – vor allem für Freeride-/Allmountain- oder Skitouren-Schuhe 
  2. Skischuhe, die älter als zehn Jahre sind, sollten ausgetauscht werden, denn die Kunststoffschale kann wegen verflüchtigten Weichmachern brüchig werden 
  3. Das Produktionsjahr der Skischuhschale ist auf der Innenseite eingeprägt 
  4. Gebrauchte Skischuhe kaufen ist alleine aus hygienischen Aspekten nicht zu empfehlen – bei Kinderschuhen aufgrund der noch wachsenden Füße jedoch eine preisgünstigere Alternative 

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